Presse YPERN MON AMOUR

Pressetext zur Ausstellung im Erich Maria Remarque-Friedenszentrum Osnabrück

Zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs präsentiert das Erich Maria Remarque-Friedenszentrum Osnabrück das Kunstprojekt YPERN MON AMOUR. Die Künstlergruppe aus dem Ruhrgebiet um Harald Reusmann und Frank Wolf zeigt in ihrem ambitionierten und innovativen Projekt neue Wege der Auseinandersetzung mit dem Ersten Weltkrieg auf. In großformatigen Fotomontagen und Kleinplastiken hinterfragen sie kritisch und mit den Mitteln der Satire die Bild- und Propagandasprache der „Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts“. Da sind französische Kriegsgefangene zu sehen, die an ihren deutschen Leidensgenossen vorbei marschieren– inmitten eines Karnevalzugs unserer Tage. Auf einer, altmexikanische Figuren zitierenden, Darstellung eines deutschen Weltkriegssoldaten sind propagandistische Phrasen zu lesen, mit denen die damalige Kriegsstimmung angeheizt wurde.  „Dieser Ansatz sticht heraus aus den uns bekannten zahlreichen, für das Jubiläumsjahr 2014 geplanten Ausstellungs- und Kunstprojekten, die eine mehr historisch verankerte Sichtweise präsentieren werden ohne die für das Projekt YPERN MON AMOUR zusätzliche charakteristische Anbindung an aktuelle Fragestellungen.“, erläutert der Leiter des Zentrums, Dr. Thomas Schneider, der die Ausstellung kuratiert und wissenschaftlich begleitet. „Die Einladung an diesen besonderen Ausstellungsort hat uns sehr berührt“, so die beiden Künstler, „denn der Roman IM WESTEN NICHTS NEUES von Erich Maria Remarque stand am Anfang unseres Entschlusses eines Tages unser „Ding“ zum Ersten Weltkrieg zu machen.“

Die Ausstellung eröffnet am 25. September 2014 um 19.30 Uhr im Erich Maria Remarque-Friedenszentrum Osnabrück und läuft bis einschließlich 30. November 2014.


Le Centre de Paix Erich Maria Remarque à Osnabrück présentera le projet d’art YPERN MON AMOUR à l’occasion du 100ième anniversaire de l’éclatement de la première guerre mondiale. Dans son projet innovateur et ambitionné, le groupe d’artistes autour de Harald Reusmann et Frank Wolf, domiciliés au district de la Ruhr, démontrera de nouveaux chemins pour l’étude de la Grande Guerre. Par des photomontages de grands formats et par petites sculptures, ils s’occupent du point de vue critique et par le moyen de la satire du langage d’images et de propagande de cette catastrophe fondatrice du 20ième siècle. On y voit des prisonniers de guerre français marchant le long de leurs compagnons d’infortune au milieu d’un cortège de carnaval de ces jours. Montrant l’image d’un soldat allemand de la grande guerre et citant des figurines du vieux Mexique, il y a des phrases de propagande par lesquelles l’atmosphère de guerre fut chauffée.

 « Cette approche se distingue des nombreux projets d’exposition et d’art intentionnés pour le centenaire en 2014 que nous connaissons et qui présenteront une façon de voir plutôt historique sans référence aux questions actuelles, tandis que cette référence est caractéristique pour le projet YPERN MON AMOUR», dit Dr Thomas Schneider, président du Friedenszentrum Erich-Maria-Remarque (Centre pour la Paix) à Osnabrück, qui curate et accompagne l’exposition d’YPERN MON AMOUR du point de vue scientifique.

« l’invitation à ce lieu d’exposition spécial nous a profondément touché » disent les deux artistes, «  vue que le roman IM WESTEN NICHTS NEUES (A l’Ouest, Rien de Nouveau) par Erich Maria Remarque était au commencement de notre décision de faire notre propre projet concernant la Grande Guerre »

L’exposition sera inaugurée le 25 septembre 2014 à 19.30 au Centre pour la Paix Erich-Maria-Remarque d’Osnabrück et terminera le 30 novembre 2014.

 


 

Presseerklärung

YPERN MON AMOUR – EIN KUNSTPROJEKT ZUM ERSTEN WELTKRIEG

Zwei Ausstellungen in der Universitätsbibliothek Bochum ab 8. Mai 2014

Die Zuspitzung der Krise um Krim, Russland und Ukraine gibt den Erinnerungsdaten des Jahres 2014 eine aktuelle Bedeutung: 100 Jahre Erster Weltkrieg, 75 Jahre Zweiter Weltkrieg, 25 Jahre Friedliche Revolution, 10 Jahre EU-Osterweiterung. Was als „Jahr der Europäischen Zeitgeschichte“ gefeiert werden sollte, wirft schlagartig brennende Fragen auf: Ist Krieg wieder denkbar? Wie war es damals? Lässt sich aus der Vergangenheit lernen? Zwei Ausstellungen in der Universitätsbibliothek Bochum, die am 8. Mai 2014 eröffnet werden, suchen nach Antworten.

Mit ihrem Projekt „Ypern mon amour“ setzen zwei Essener Künstler den Fokus stark auf das historische Bewusstsein der Zeit um 1914. Ausgehend von Bildpostkarten dieser Jahre mit Kriegspropaganda voll rührender Heldenverklärung gestaltet der Fotograf Harald Reusmann mittels moderner Computertechnik Bildmontagen, die den Kitsch und die Verlogenheit der Vorlagen in teils grotesker Form bloßstellen. Durch kühne Kombinationen gelingen beklemmende Brückenschläge in die Gegenwart, wenn zum Beispiel eine endloser Zug von Kriegsgefangenen in einen modernen Karnevalsumzug montiert wird.

Während Reusmann in oft serieller, mitunter satirisch erzählender Form das Panorama einer fremden Epoche zeigt, die uns auf einmal erdrückend nahe rückt, wählt der Bildhauer Frank Wolf eine intellektuellere Form historischer Vergegenwärtigung. Seine Skulptur „Der Körper des Soldaten“ trägt zugleich das Antlitz des Todes. Ein Ausgangspunkt der Arbeit ist Heiner Müllers Fassung von Brechts „Fatzer“-Fragmenten mit dem bösen Postulat: „Der Mensch ist der Feind und muß aufhören“. In dem dreidimensionalen Vexierspiel der Skulptur treffen vergangene und zukünftige Menschen auf gespenstische Weise zusammen, „um wie geisterhafte Partisanen unter uns zu hausen“, so der Künstler Frank Wolf.

Kurz: Die Gespenster der Vergangenheit sind wieder da! Eine bedrückende Botschaft eines aufregenden Kunstprojekts, das dank des Entgegenkommens von Frau Bibliotheksdirektorin Dr. Erdmute Lapp in der Bochumer Universitätsbibliothek seinen Platz findet. Die Künstler haben in der Realisierung des Projekts – das später u. a. auch in Osnabrück und Frankreich gezeigt wird – die räumlichen Besonderheiten Bochums einbezogen.

Die Ausstellung wird am 8. Mai 2014, 18.00 Uhr, in der Universitätsbibliothek Bochum in Anwesenheit der Künstler eröffnet. Als historische Hintergrundinformation wird, ebenfalls in der UB, die Plakatausstellung „Diktatur und Demokratie im Zeitalter der Extreme“ der Bundesstiftung Aufarbeitung gezeigt. Auf über 20 Plakattafeln finden sich neben informativen Texten zahlreiche seltene Fotos und Dokumente, die spannend aufbereitete „Streiflichter auf die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert“ versprechen. Beide Ausstellungen können bis zum 4. August 2014 in der Bochumer UB besichtigt werden (Eintritt frei, täglich geöffnet, werktags 8-24 Uhr, samstags 11-20 Uhr, sonntags 11-18 Uhr.).

Die Vernissage der Ausstellung (Raum 09 auf Etage 1 der UB) wird mit Grußworten von Dr. Erdmute Lapp und Prof. Dr. Werner Voß (für das mitveranstaltende Institut für Deutschlandforschung) eröffnet. Katrin Müller und Frank Wolf lesen aus Feldpostbriefen des Ersten Weltkriegs. Das Podiumsgespräch „Ein Bild machen vom Krieg“ komplettiert den Abend. Es wirken u. a. der Bochumer Historiker und Altrektor Prof. Dr. Dietmar Petzina und die Kulturwissenschaftlerin PD Dr. Mirjana Stancic (Zagreb / Essen) mit.

Im Rahmenprogramm werden Künstlerführungen (vsl. am 27. Mai, 24. Juni und 29. Juli 2014, jeweils ab 18.00, Treffpunkt: Eingang UB) angeboten. Außerdem bietet das Institut für Deutschlandforschung im Sommersemester 2014 eine begleitende Ringvorlesung an: „Von der Urkatastrophe zur Wiedervereinigung Europas? Eine Jahrhundertbilanz (1914-2004)“, mittwochs 12-14 Uhr, GB 04/86.

 

Dr. Frank Hoffmann

Ruhr-Universität Bochum

Institut für Deutschlandforschung

44780 Bochum

Tel.: 0234-3227863

 

Gisela Ogasa M.A., M.A

Ruhr-Universität Bochum

Universitätsbibliothek

44780 Bochum

Tel. 0234-3227354

 

Artikel aus der Werdener Nachrichten vom 09.05.2014

Der Mensch ist der Feind.pdf
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